#Gastbeitrag Julies Kastration

 

So, nun ist es schon über 5 Monate her, dass wir Anfang Februar den Horror „Weibchenkastration“ mit unserer Häsin Julie durchstanden haben. Ein Horror war es vor allem, weil wir von dem behandelnden Tierarztteam überhaupt nicht darauf vorbereitet wurden, was da in der Nachsorge auf uns zukommt/zukommen kann.

Anhand des Eindrucks, der uns dort vermittelt wurde, hätte es etwa so laufen müssen: Hase abgeben, Hase wird operiert, Hase wieder abholen, Hase schont sich, Hase wieder fit. In der Praxis war das auch so, nur war das „schonen“ wesentlich nervenaufreibender, als wir dachten. Und genau darauf wären wir gerne vorbereitet gewesen.

 

Unsere Kastra-Geschichte beschreibt vor allem, wie die ganze Aktion für uns als Neu-Eltern war, was geholfen hat, was nicht und wie wir es geschafft haben, nicht den Verstand zu verlieren. Vielleicht hilft sie dem ein oder anderen, der sie liest, vorbereitet zu sein und (was für uns sehr wichtig war) zu merken, dass vieles nach der OP „normal“ ist und sich wieder einpendelt.

 

Aber von Anfang an:

Nachdem Julie innerhalb von 3 Monaten zweimal scheinträchtig gewesen war, haben wir einen Ultraschall machen lassen, bei dem dann tatsächlich herauskam, dass ihre Eierstöcke und Gebärmutter verändert waren (zum Glück gutartig, aber wohl schon recht stark), sodass die Kastration dringend indiziert war und auch sofort durchgeführt wurde.

 

Danach nahmen wir eine sehr apathische Häsin, die noch einen Trichter verpasst bekam, mit nach Hause, mit dem Hinweis, sie müsse heute UNBEDINGT noch etwas fressen. Wir haben ihr folglich alles hingestellt, was sie normalerweise gerne mochte, doch sie rührte nichts an – ein sicheres Zeichen, dass es ihr nicht gut geht. Wir haben Julie dann in das gewohnte (größere) Gehege gesetzt und Friedolin ins Bad-Exil geschickt, wo er sich auch vorbildlich benahm. Trotzdem sind wir ein bisschen verzweifelt, dass sie nicht fraß, obwohl sie das ja UNBEDINGT noch sollte (und wir folglich annahmen, dass es also schlimm ist, dass sie nicht will). Wir riefen die Stiefmutter meines Freundes an, die Tierärztin ist und starteten einen verzweifelten Hilferuf am Forum, was zu tun sei, mit der Antwort: zufüttern.

Als ich 17 war hatte ich mein damaliges Zwergkaninchen ebenfalls päppeln und ihm Medikamente geben müssen – bei 3,4kg-Julie, die nun wirklich so gar keine Lust hatte, gestaltete sich dies, vor allem alleine, wesentlich schwieriger. Medigabe und Zwangsfüttern war für alle beteiligten eine Qual und wir hatten ein ziemlich schlechtes Gewissen Julie gegenüber, dass wir „so gemein“ zu ihr sein mussten, auch wenn es natürlich notwendig und zu ihrem Besten war.

Dazu kam, dass an dem Forum, an dem ich mir Rat geholt und auch bekommen hatte, einerseits Stimmen laut wurden, wir sollten ja nicht zu viel füttern, da sonst eine Magenüberladung drohe und andererseits, dass sie ja genug bekommen müsse, da sonst der Darm kollabiere. Als Neu-Halter (wir hatten Julie und Friedolin erst seit 4 Wochen) war es nicht einfach, da durchzublicken. Dennoch kamen von eben diesem Forum viele Bekräftigungen und Bestätigungen, die uns den Mut nicht verlieren ließen.

 

 


Im Nachhinein wissen wir, dass Julie vermutlich nie in Lebensgefahr schwebte: sie setzte kontinuierlich kleine Mengen Kot ab, ihr Kreislauf war fit (= Ohren warm) und sie fing nach 2 Tagen an, kleine Mengen, die man ihr direkt unter die Nase hielt zu fressen. Inzwischen ist sie wieder putzmunter und weder ihre Einstellung zu uns noch ihr Wesen hat sich wesentlich verändert.

Für uns war die Situation trotzdem schlimm, weil wir einfach überfordert waren – zumal wir von den Tierärzten, wie gesagt, keine Hilfestellung bekommen hatten. Im Nachhinein macht mich das ziemlich wütend und ich hoffe, dass es niemandem sonst so geht.

Wir sind daher (immernoch!) unendlich dankbar für alle, die uns in der Zeit mit Informationen, Ratschlägen, Bodys (Britta <3) Notfalltelefonaten (Brigitte <3) und guten Ratschlägen oder auch nur beruhigenden Worten zur Seite standen und uns damit sehr geholfen haben..


Nach diesem ernüchternden Text möchten wir jetzt noch unser Fazit aus der Situation als Tipps für alle, die die Kastrasituation noch vor sich haben oder gerade mittendrin stecken, zusammenfassen:

  • geht lieber einmal zu oft zum Tierarzt als einmal zu wenig – ohne Ultraschall wäre Julies Gebärmutterveränderung vermutlich erst entdeckt worden, wenn es zu spät gewesen wäre
  • nach unserer negativen Erfahrung: lange Wege zu Spezialisten/kaninchenkundigen Ärzten lohnen sich auf jeden Fall! Gerade wenn es um „größeres“ geht ist es oft für das Tier schonender (und somit auch für die Nerven der Halter...) aber auch bei Routineuntersuchungen fällt dort mehr auf 
  • Dinge die man bereithalten sollte: Päppelbrei (und Spritzen! Bei uns hat es mit den 1ml und 2ml am besten geklappt), eine mittelwarme Wärmflasche in einem Kissenbezug, kein Einstreu (Handtücher als Einstreu in Käfig und Klo), sämtliches Lieblingsfutter, einen Body von Bunnywear (Achtung, Schleichwerbung ;-) aber uns hat es sehr beruhigt zu wissen, dass Julie a) nicht an die Naht geht b) sich nicht so einnässt, dass die Wunde entzündet oder c) sie nicht an dem zu großen Babybody hängen bleibt und sich etwas bricht), kein Einstreu (Handtücher als Einstreu in Käfig und Klo), sämtliches Lieblingsfutter
  • fragt beim Tierarzt auf jeden Fall nach, wie lange Schmerzmittel und Antibiotikum gegeben werden sollen. Aus unserer Erfahrung wissen wir, dass „bis die mitgegebene Packung alle ist“ vielleicht sinnvoll erscheint, aber nicht sinnvoll/richtig sein muss.
  • manchmal kann man Päppelintervalle durch „mit Futter vor der Nase herumwedeln, bis das Tier es frisst“ ersetzen. Wir haben dabei immer darauf geachtet, dass die Menge, die so gefressen wird etwa der Breimenge entspricht, die sie bekommen hätte.
  • das Thema „Päppeln“ ist sehr umstritten. Den einzigen Rat, den ich hier geben möchte ist: nicht verrückt machen lassen! Oh, und auch hier: fragt nach, wenn ihr unsicher seid und lasst im Zweifelsfall nochmal den Tierarzt/jemand erfahrenes tasten, ob sich der Bauch noch weich und unblockiert anfühlt. 
  • Das eigene Tier leiden zu sehen ist schlimm – vor allem, wenn man nicht einschätzen kann, ob es (den Umständen entsprechend) „normal“ durchhängt oder „kritisch“ durchhängt. Habt keine Angst, unnötig zum Tierarzt zu gehen, wenn ihr euch Sorgen macht! Und: auch wenn es in der Situation unvorstellbar ist, die allermeisten Tiere stecken eine Kastra gut weg und es wird tatsächlich wieder gut. Und das fühlt sich dann toll an.
  • Daher: Don't Panic.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Liebe Elena, vielen Dank für diesen Erfahrungsbericht und die wunderschönen Fotos von Julie im Body. Und wer genau hinsieht, findet auch den Fridolin.


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