#Gastbeitrag zum Thema: RHD und RHD2

von Dr. Tamara Rabe

Was ist RHD?

RHD, das ist die Abkürzung für Rabbit Haemorrhagic Disease, umgangssprachlich auch Chinaseuche genannt. Dabei handelt es sich um eine hoch ansteckende Viruserkrankung beim Kaninchen – hervorgerufen durch den Calcivirus. (1)

Diese Krankheit verläuft fast immer tödlich, auch wenn es Erregerstämme gibt, bei der die Sterblichkeitsrate relativ gering ist

Woran erkenne ich RHD?

Ein an RHD erkranktes Tier zeigt kaum Symptome, da der Verlauf der Krankheit sehr schnell fortschreitet und infizierte Tiere meistens von den Besitzern tot aufgefunden werden. Werden Symptome beobachtet, dann handelt es sich meistens um Inappetenz, blutigen Nasenausfluss, Krämpfe und damit einhergehende Erstickungserscheinungen. (2) Häufig kommt es durch die Atemnot zu einem Überstrecken des Kopfes nach hinten, weshalb die Tiere oft mit überstrecktem Kopf tot aufgefunden werden.

Neben dieser akuten Verlaufsform wird auch eine chronische, sehr seltene Verlaufsform beschrieben. Bei dieser sind die Tiere relativ ruhig, inappetent, haben Fieber und zeigen leichte Atembeschwerden. Nach wenigen Tagen sind die Tiere wieder normal und aktiv.

 

Die Inkubationszeit beträgt in der Regel 1-5 Tage, in seltenen Fällen, meist bei der chronischen Verlaufsform,  zeigen Tiere auch 10 Tage nach der Infektion Symptome. (1) Ist ein Tier mit dem RHD Virus infiziert, ist es wahrscheinlich, dass auch alle anderen Tiere des Bestandes von dem Virus befallen werden – es kommt zu einer „Todeswelle“ und oft wird ein ganze Bestand regelrecht ausgelöscht.

 

Neben der direkten Übertragung von Tier zu Tier, kann das Virus auch über Futter, Kot, Fliegen, Mücken, Zecken etc. übertragen werden. Auch Menschen, die Kontakt mit infizierten Tieren hatten, können das Virus auf gesunde Kaninchen übertragen.

Und tue ich, wenn ich den Verdacht habe, dass mein Tier an RHD gestorben ist?

Bei ungeklärten Todesursachen oder auch nur den leisesten Verdacht auf RHD muss eine Obduktion erfolgen um Aufschluss zu geben, aber ist nicht erkennbar, ob es sich um eine Erkrankung mit RHD handelt oder nicht – besonders dann ist eine Obduktion anzuraten wenn ein Tier „plötzlich Tod aufgefunden wurde“. Neben dem Nachweis durch eine Obduktion kann das Virus auch im Blut und dem Kot durch eine Laboruntersuchung nachgewiesen werden, ist aber nicht so sicher, wie der Nachweis der Obduktion.

Und dann?

Sollte eines seiner Kaninchen von RHD betroffen sein, so ist davon auszugehen, dass der gesamte Bestand infiziert ist. Da infizierte Tiere den Erreger auch ausscheiden sind alle Böden und Bereiche, die mit dem Kaninchen in Berührung kamen, hoch infektiös. Das Virus ist sehr resistent und kann bis zu einem halben Jahr überleben. Wenn also ein RHD Vorfall vorlag ist anzuraten das gesamte Gehege zu säubern (mit Desinfektionsmitteln, die den Erreger abtöten. Eine Liste ist auf Nachfrage zu erhalten) und nicht vor dem Ablauf eines halben Jahres neue Tiere hinzu zu holen. Wenn die Tiere in ein neues Gehege umziehen können, sollten erkrankte Tiere vorher jedoch eine mindestens  4 wöchige Quarantäne hinter sich bringen, damit sie nicht mehr infektiös sind.

Wie kann ich meine Tiere behandeln?

RHD ist nicht behandelbar, den einzig wirksamen Schutz bietet eine Impfung.  Durch die seit ca. 2010 bekannte “neue Form” – RHD-2 ist eine Impfung gegen den Erregerstamm RHD-1 nicht mehr ausreichend. Erste Fälle von RHD-2 wurden 2010 in Frankreich nachgewiesen, wobei 50% der gegen RHD-1 geimpften Tiere verstarben. (3-4) 

In Deutschland traten die ersten Fälle in NRW auf. (5-6) Mittlerweile gibt es aber auch Nachweise aus Dänemark und seit 2015 sogar aus Australien. Normalerweise sind Jungtiere nicht von RHD betroffen, da sie noch genug Immunisierung durch die Muttermilch haben - dies verhält sich bei RHD2 jedoch anders. Auch Tiere, die erst vier Wochen alt sind, können dem Virus zum Opfer fallen und es kann ein Ausbruch der Krankheit beobachtet werden.

Generell lässt sich beobachten, dass Alttiere, die häufig in ihrem Leben geimpft wurden, eine höhere Überlebenschance haben als Tiere die erst wenige Impfzyklen durchlaufen haben.

In Frankreich hat der RHD2 Erreger die alten Stämme nahezu verdrängt und in Deutschland nimmt er auch immer mehr Überhand - so wurden 2015 am Friedrich Löffler Institut (FLI) mehr Tiere mit RHD2 Erreger untersucht als mit einem der anderen Erregerstämme.(7)

 

Um die Tiere also wirkungsvoll vor RHD-1 und RHD-2 zu schützen, müssen die Tiere gegen beide Erregerstämme geimpft werden. Für RHD-1 gibt es zwei Möglichkeiten: Eine RHD-Myxomatose Kombiimpfung (z.B. Nobivac) oder einen Einzelimpfstoff (z.B. von Cunivak) . Der Kombi-Impfstoff von z.B. Nobivac muss nur einmal jährlich verabreicht werden und es ist keine Grundimmunisierung notwendig (dieser Impfstoff wird synthetisch hergestellt). Dies kann ab der 5. Lebenswoche geschehen.

Bei der Impfung mit einem Einzelimpfstoff, wie z.B. Cunivak ist eine Grundimmunisierung notwendig und es muss halbjährlich geimpft werden (dieser Impfstoff wird aus infizierten Kaninchen gewonnen).

 

Gegen RHD-2 sind in Deutschland mittlerweile zwei Impfstoffe zugelassen: Evarac und Filavac. Bei Filavac müssen die Kaninchen nur einmal jährlich geimpft werden, wobei eine Impfung mit Evarac halbjährlich erfolgen sollte. Eine Impfung mit einem der gegen RHD-1 zugelassenen Impfstoffe schützt nicht ausreichend vor RHD-2, die Tiere müssen also zwingend auch gegen RHD-2 geimpft werden um einen Schutz zu gewährleisten. 

Quellen:

 (1)  Abrantes, Joana; Loo, van der Wessel; Le Pendu, Jacques; Esteves, Pedro J.. Rabbit haemorrhagic disease (RHD) and rabbit haemorrhagic disease virus (RHDV): a review. Veterinary Research 2012, 43:12

(2)  Erwingmann: „Leitsymptome beim Kaninchen: Diagnostischer Leitfaden und Therapie”, Enke Verlag

(3)  Le Gall-Recule, G., Lavazza, A., Marchandeau, S., Bertagnoli, S., Zwingelstein, F., Cavadini, P., Martinelli, N., Lombardi, G., Guerin, J. L., Lemaitre, E., Decors, A., Boucher, S., Le Normand, B. and Capucci, L., Emergence of a new lagovirus related to Rabbit Haemorrhagic Disease Virus. Vet Res (2013). 44: 81

(4)  Le Gall-Recule, G., Zwingelstein, F., Boucher, S., Le Normand, B., Plassiart, G., Portejoie, Y., Decors, A., Bertagnoli, S., Guerin, J. L. and Marchandeau, S., Detection of a new variant of rabbit haemorrhagic disease virus in France. Vet Rec (2011). 168: 137-138.

(5)  Friedrich-Loeffler-Institut, New variant of RHD virus now also detected in Germany – Rabbit Haemorrhagic Disease (2013)

(6)  Schirrmeier, H., Neue Variante des RHD-Virus nun auch in Deutschland entdeckt. Deutsches Tierärzteblatt (2013). 2013: 1657-1658.

(7)  König, P., Homeier-Bachmann, T., Gethmann, J., Beer, M. and Schirrmeier, H., Aktuelles zu den Themen BHV-1, BVDV und RHDV 7. Riemser Diagnostiktage. Friedrich-Loeffler-Institut, Greifswald (2015)

(8)  Cussler, K., Verdacht einer ungenügenden Wirksamkeit bei Impfstoffen. Eine neue RHDV-Variante als Beispiel. Deutsches Tierärzteblatt (2013). 2013: 1656-1657.

(9)  Schirrmeier, H., Zum Auftreten von RHDV-2 in Deutschland – aktuelle Herausforderungen in der Diagnostik und Bekämpfung LabLoeffler. Friedrich-Loeffler-Institut, Greifswald - Insel Riems (2015), pp 4-6



Zur Person:

Tamara studierte Biologie und promovierte im Jahr 2011. Ihre Schwerpunkte sind Genetik und Entwicklungsbiologie. Schon in ihrer Kindheit hatte sie Kaninchen und nach einer längeren Pause fing sie 2009 wieder mit der Kaninchenhaltung an. Schon damals zog das erste Kaninchen aus einem Labor ein. Seither leben immer 2-4 dieser zauberhaften Tiere bei ihr. 2015 stieß sie als aktives Mitglied zu der Kaninchenhilfe und seit April diesen Jahres unterstützt sie auch das Team von „Ein Herz für Laborkaninchen“.

Vielen Dank für diesen ausführlichen Text zur aktuellen Situation von RHD/RHD2.

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